Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich diese ersten Fragen bereits auf unser Thema beziehen sollte oder ob ich sie unabhängig davon beantworten sollte. Weil auf unserem Blog aber das Thema „Mann und Frau, hier und dort“ diskutiert wird, werde ich bereits bei diesen ersten Fragen Bezug zu diesem Thema nehmen. Mir ist beim Lesen dieser Fragen Schriftstellerin, Fotomodell und UN-Botschafterin Waris Dirie in den Sinn gekommen. Sie wurde in einer Nomadenfamilie in Somalia geboren, wurde mit fünf Jahren genital beschnitten, flüchtete mit zwölf vor einer erzwungenen Heirat nach London, arbeitete als Putzfrau, wurde als Fotomodell entdeckt und wurde durch ihren Einsatz gegen die Genitalverstümmelung von Frauen schliesslich zu einer UNO-Sonderbotschafterin gewählt. Sie ist für mich eine unglaublich bewundernswerte, mutige Frau. Seit ihrer Geburt kämpfte sie, für sich selber und für eine lebenswerte Zukunft der Frauen in zahlreichen Kulturen. Durch ihren Einsatz brachte sie eine äusserst wertvolle Entwicklung ins Rollen. Weltweit beginnen sich die Menschen für das Leiden zahlreicher Frauen zu interessieren und sich einzusetzen für eine positive Entwicklung. Diskriminierung, Ausbeutung, Misshandlung und Verfolgung von Frauen und Mädchen werden durch Organisationen wie Terre des femmes, bekämpft und das gleichberechtigte Zusammenleben von Frauen und Männern wird gefördert. Das alles stellt eindeutig ein positives Element nachhaltiger Entwicklung dar. Zweifellos gibt es aber viele Defizite, Probleme, gegen die noch hart gekämpft werden muss. Weltweit werden heutzutage jedes Jahr noch circa zwei Millionen Mädchen im Alter zwischen vier und zwölf Jahren genitalverstümmelt. Probleme im Kampf gegen diese furchtbaren Praktiken stellen vorallem die Traditionen der betreffenden Kulturen dar. In einigen Ländern gilt die "Beschneidung" als Teil eines Initiationsritus, mit dem die Mädchen in die "Welt der Frauen" eingeführt werden. Weiter ist die Überzeugung verbreitet, daß die Beschneidung den Sexualtrieb dämmt. Die Jungfräulichkeit bleibt somit angeblich für den künftigen Ehemann gesichert.
All diese Fakten berühren mich zutiefst und schockieren mich. Spricht man in unserer Kultur über Gleichberechtigung oder über die Stellung der Frau, dann beschäftigt man sich über das Anfügen der weiblichen Endungen bei der Aufzählung von Schüler, Schülerinnne, Lehrer, Lehrerinnen, Besucher, Besucherinnen... In anderen Kulturen geht es um so viel mehr! Es geht um Leiden und Schmerz, um Furcht und Angst und um Leben und Tod!
Donnerstag, 19. April 2007
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
3 Kommentare:
Auch ich habe das Buch von Waris Dirie schon mehrmals gelesen. Es stimmt mich jedes Mal ganz traurig und ich kann nicht begreifen, dass auch in der heutigen Zeit Genitalverstümmelungen noch vorkommen. Die Mädchen können sich in diesem Alter gar nicht wehren und sie müssen diese schlimme Sache einfach über sich ergehen lassen. Was mich wütend macht ist, dass die Mädchen wie eine Ware behandelt werden. Ihnen wird das Anrecht auf ein glückliches Leben einfach weggenommen. Unbegreiflich ist für mich aber auch, wie die Mütter, die dasselbe erlebt haben, so in ihrem traditionellen Leben und Glauben gefangen sind, dass sie dagegen nichts unternehmen können…..
Stefanie Dudler, LG04 A
Das Lesen deines Posts erinnert mich an das Buch, das ich gerade lese. Es geht dabei um Zwangsheirat und die Unterdrückung einer muslimischen Frauen durch ihre eigene Familie (inkl. ihrer Mutter). Da werden die Rechte dieser Frau nach meinem Verständnis total missachtet. Während dem Lesen stelle ich mir immer wieder die Frage, ob bezüglich dieser Thematik eine Entwicklung möglich ist. Denn ich stelle mir die Zwickmühle, in der Frauen, wie Leila in meinem Buch, fast unüberwindbar vor. Das Buch habe ich noch nicht ganz fertig gelesen. Vielleicht habe ich am Ende andere Ansätze oder andere Sichtweisen??? Mal schauen...
Simone Schälli,LG04F
Ich habe das Buch ebenfalls gelesen. Es hat mich sehr berührt und schockiert, wie respektlos mit Frauen umgegangen wird. Und wie hilflos sie sind. Wir können uns sehr glücklich schätzen, dass es uns nicht gleich ergeht und wir mit Problemen kämpfen, welche im Vergleich dazu lachhaft sind. Und doch ist es leider auch traurig, dass die Frau überhaupt ständig etwas kämpfen muss. Klar haben auch die Männer ihre Probleme. Möglicherweise fühlen sie sich von gewissen Frauen (z.B. zu starken, intelligenten) bedroht, weshalb sie es ihnen nicht unbedingt leicht machen, ihre Vorgesetzten zu werden. Oder es zuzulassen, dass eine Frau mehr weiss, kann, mehr leistet.
Ich hoffe, dass eines Tages nicht mehr das Geschlecht, sondern die Tat, die Aussage, die Absicht, die Leistung beurteilt wird. Was natürlich eine Utopie ist - welcher wir uns aber doch schon sehr stark angenähert haben.
Kommentar veröffentlichen