Ja, die Bezieung zur Natur kann sogar mit der Beziehung zu einem Mann konkurrenzieren, um gleich zu Beginn den Bogen zu unserem Thema gemacht zu haben.
Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch. Doch bedarf es Zeit respektive der entsprechenden Prioriätensetzung. Zeit ist bekanntlich knapp, entsprechend wollen Prioritäten wohl überlegt sein. Alleine in die Natur zu gehen, die Seele baumeln zu lassen, in meinem Fall meist joggenderweise, ist sehr wichtig. Beziehungen zu pflegen jedoch ebenfalls. Was tun mir der so spärlich vorhandenen Freizeit? (Was nicht zuletzt auf unsere Ausbildung zurückzuführen ist, welche jedoch uns diesen Auftrag gibt, was ich ja ihretwegen nicht wirklich leisten kann.) Nun ja, ich laufe mir nicht davon, Freunde allerdings - wenn auch nicht gleich morgen - schon. Und so kann ich mich eine Zeit lang für meine Freunde, meinen Freund entscheiden, aber dennoch wird das Hochkommen eines Defizites an zwischenmenschlicher Auszeit unvermeidbar sein. So gibt es Phasen, in denen ich fast aus Trotz sage: Und jetzt ich! Nun, tatsächlich kann es vorkommen, dass dann die Beschäftigung, sprich, das Flanieren in der Natur, gar Eifersucht zu evozieren vermag.
Dennoch, nur dadurch, dass der Mensch eine Beziehung mit sich pflegt, kann er sich auch auf Beziehungen mit andern einlassen. "Liebe deinen nächsten wie dich selbst" - nun, wenn ich mich nie lieben lernte (und ich würde sagen, damit man sich Zeit für sich selbst nimmt und nehmen möchte, bedarf es Liebe), wie kann ich denn dann andere Menschen lieben?
Zudem gilt im Leben in allen Bereichen die Balance, und so braucht jeder Mensch auch seine Auszeiten alleine meines Erachtens. Wer sich krampfhaft vor dem Alleinsein fürchtet und dadurch von einem Treffen ins nächste flüchtet, dem (entschuldige: auch der) fehlt der Ausgleich, was sich irgendwann rächen wird.
Ich persönlich sehe noch viele andere Bereiche im Leben, welche es verhindern können, dass ich regelmässig in die Natur gehe. So ist letzteres für mich der Inbegriff des "im Moment leben", was genau dem auf Fortschritt bedachten Denken, welches so tief in mir verankert ist, widerstrebt. Seitdem ich mir sage, wenn ich mir Zeit für mich, für die Herstellung meiner inneren Ruhe nehme, so ist dies letztlich auch wieder förderlich für mich als arbeitenden Menschen, kann ich auch diese Seite in mir davon überzeugen, dass es gescheit ist, mir regelmässig Zeit für mich, für die Ruhe, das JETZT zu nehmen. Die andere, etwas weisere Seite in mir bedarf jedoch keinelei solcher Rechtfertigungen - sie weiss längst, dass genau darin die wahre Schönheit, der Wahre Sinn des Lebens verborgen liegt. (Die Kunst, im Moment und ohne über das Notwendige hinaus vorhandene Hilfsmittel zu leben.)
Sonntag, 27. Mai 2007
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